Literaturpreis „Frontières“: Auch Studierende werden ausgezeichnet!

Neben dem Roman „Les certitudes“ von Marie Semelin wurden auch die Kurzgeschichten der Studierenden gewürdigt.

Der 2021 von der Université de Lorraine und der Universität der Großregion (UniGR) ins Leben gerufene Literaturpreis „Frontières“ zeichnet jedes Jahr einen herausragenden Roman aus, der das Thema der Grenzen in seinen unterschiedlichen Facetten beleuchtet.

In diesem Jahr rückte der Preis die Kreativität der Studierenden in den Mittelpunkt – mit einem eigens für sie ausgeschriebenen Kurzgeschichtenwettbewerb mit dem Titel „Écrire aux frontières“ („Schreiben an den Grenzen“). Die Preisverleihung fand am Montag, den 18. Mai 2026 um 18 Uhr im Festsaal der Université de Lorraine in Nancy statt.

 

 

Das Thema „Grenzen“ lässt sich auf vielfältige Weise interpretieren – insbesondere im geopolitischen Sinne: etwa durch ihre Schließung während der Covid-19-Pandemie, die die erste Ausgabe des Preises im Jahr 2021 prägte, oder durch ihre Verschiebungen und Brüche in Konflikten wie den Weltkriegen sowie aktuell in der Ukraine und im Nahen Osten – Themen, die auch in anderen preisgekrönten Werken aufgegriffen werden.

In diesem Bedeutungsrahmen schrieb Marie Semelin, Preisträgerin dieser sechsten Ausgabe und investigative Journalistin, ihren Roman „Les certitudes“. Das Werk behandelt den israelisch-palästinensischen Konflikt von 1955 bis zum tragischen 9. Oktober 2023 und beleuchtet diesen laut Jury auf „besonders differenzierte und intelligente Weise“. Die Erzählung lädt dazu ein unsere überlieferten Gewissheiten sowie die verschiedenen Standpunkte – seien sie zeitlicher, politischer oder persönlicher Natur – zu hinterfragen.

   

Der studentische Wettbewerb war in zwei Kategorien unterteilt: kreative Texte ohne Einsatz künstlicher Intelligenz sowie Texte, die mit KI verfasst wurden. Unter den eingereichten Beiträgen entfielen 77 % auf die erste Kategorie, während sich nur 23 % auf KI stützten.

Grenzen können jedoch auch eine breitere Bedeutung haben: In seiner Kurzgeschichte „Le poids du fusil“, die eine durch Traditionen der Kabylei geprägte Rache im Kontext der „Blutverbrechen“ erzählt, hinterfragt Amire Terrak – Preisträger der Kategorie ohne KI – mehrere Grenzziehungen: jene zwischen Gewohnheitsrecht, staatlichen Regeln und seiner eigenen Moral sowie die zwischen Kindheit und Erwachsenenalter.

Yanis Saouda, der zweite Preisträger des Wettbewerbs in der Kategorie mit KI-Unterstützung, beschäftigt sich wiederum mit der Grenze zwischen Mensch und Maschine. In seiner Kurzgeschichte „Je, tu, il, elle… ça“ scheint sich ein Mann, der seinen eigenen Emotionen gegenüber verschlossen ist, nach und nach in einen Roboter zu verwandeln, während sein Chatbot zunehmend menschlich und einfühlsam reagiert.

 

 

Die beiden Erzählungen wurden von vier Theaterstudierenden vertont, die das Publikum durch ihre Interpretation zu fesseln wussten.

Dieser neue Preis bot somit auch Gelegenheit, über die Rolle von Künstlicher Intelligenz im kreativen Schaffen nachzudenken. Eine Podiumsdiskussion zu diesem Thema, moderiert von Philippe Schneider, Leiter des Literaturpreises „Frontières“, bildete den gelungenen Abschluss des Abends. Mit dabei waren Marie Semelin, die beiden ausgezeichneten Studierenden, Samuel Nowakowski, Autor von „L’essentiel de l’intelligence artificielle“, sowie Anissa Hamza-Jamann, Lehr- und Forschungsdozentin mit Schwerpunkt auf KI im Fremdsprachenlernen.