
Im Rahmen der UniGR-Gastprofessur, bringt Dr. Marie Enders einen UniGR-Werkzeugkasten zur Inwertsetzung von Begegnungen in der Großregion hervor

Im Rahmen der UniGR-Gastprofessur untersuchte Dr. Marie Enders von Oktober 2025 bis Januar 2026, wie Orte der Begegnung in der Großregion identifiziert, analysiert und mittels künstlerisch-forschender Werkzeuge räumlich in Wert gesetzt werden können. Ausgangspunkt des Projekts war die Annahme, dass demokratische Verständigungsprozesse wesentlich auch räumlich vermittelt sind und alltägliche Begegnungen eine zentrale, bislang oft unterschätzte Infrastruktur demokratischer Praxis darstellen. Die Gastprofessur war an der Universität Luxemburg, Research Unit Cultures of Assembly (COA), im Fachgebiet Stadterneuerung unter der Leitung von Prof. Dr. Markus Miessen angesiedelt und wurde in Kooperation mit dem Heimatinstitut, dem Fachgebiet Architektur – Theorie – Geschichte (ATG) der RPTU Kaiserslautern-Landau (RPTU) unter Prof. Dr. Adria Daraban durchgeführt. Gefördert wurde das Projekt durch das Mobilitätsstipendium der Universität der Großregion (UniGR) mit Förderung der Stiftung Marienburg unter der Schirmherrschaft der Fondation de Luxembourg sowie durch eine finanzielle Unterstützung des Dekanats der Fakultät für Architektur (fatuk) der RPTU.

In einem transnationalen Tandem-Seminar arbeiteten Studierende aus Luxemburg und Kaiserslautern gemeinsam an der Erfassung und Analyse von Begegnungsorten.
Ausgangspunkt war ein digitaler Auftakt im Oktober 2025, bei dem Studierende methodische Inputs zur Werkzeugentwicklung erhielten. Medienkünstler Udo Noll stellte sein Klang-Mapping vor, und die Spieleentwickler Sebastian Oberlin und Adrian Rennertz führten in die Sammlung klang2 ein. Darauf aufbauend identifizierten und analysierten die Studierenden Orte der Begegnung nach den vier Typologien von Rainald Manthe:
- zufällige Beobachtung
- wiederkehrende Begegnungen
- sprachlicher Austausch
- gemeinsame Aktivitäten.
Der erste Workshop in Esch-sur-Alzette im November 2025 vertiefte diese Arbeit: In Gruppen diskutierten die Studierenden ihre Analysen, entwickelten Kartografien und erprobten erste spielerische Formate. Und auch die Studierenden nehmen bereits erste Erkenntnisse aus dem ersten Workshop mit sich:
„Wir haben erkannt, dass Begegnung in der Großregion nicht nur Orte verbindet, sondern auch neue Perspektiven eröffnet (…) durch das Wissen über die Universität der Großregion hat sich für uns nicht nur der räumliche Horizont erweitert, sondern es sind auch Möglichkeiten deutlich geworden, unseren Studienverlauf im internationalen Hochschulverbund zu denken“ - Celina Philipps, Studentin im Diplomstudiengang Architektur an der Fakultät für Architektur der RPTU Kaiserlautern.

In der Abschlussphase vom 19. bis 21. Januar 2026 in der Architekturgalerie Kaiserslautern wurden die Ergebnisse kuratiert und öffentlich präsentiert. Kernstück der Präsentation war die UniGR-Toolbox: elf Prototypen, jeweils zugeordnet zu den analysierten Begegnungstypen, ergänzt durch detaillierte Anleitungen zu Entstehung, Analyse und Umsetzung. Besucher*innen konnten die Tools ausprobieren, das Klang-Memory klang² spielen oder die wandgroße Kartografie der Begegnungsorte erkunden.
Das Projekt ermöglichte Studierenden, neue künstlerisch-forschende Methoden kennenzulernen und transnationale Zusammenarbeit praktisch zu erfahren. Auch für die Großregion sind die Ergebnisse relevant, da sie Begegnung als räumliche Ressource demokratischer Verständigung sichtbar machen. Prof. Dr. Adria Daraban hebt bereits mögliche Anschlussprojekte hervor:
„Gerade Leerstände könnten als Rückführungsorte im Sinne ihrer ‚produktiven Unbestimmtheit‘ für die entwickelten Tools mitgedacht werden und enorme Potenziale eröffnen.“
Die Kooperation zwischen COA Luxemburg und ATG Kaiserslautern soll weitergeführt werden. Geplant ist die Integration der UniGR-Toolbox in zukünftige Lehr- und Forschungsprojekte, die Betreuung gemeinsamer studentischer Arbeiten sowie die Weiterentwicklung einer digitalen Version für die Großregion. Langfristig ist eine Fortschreibung der derzeit analogen sowie zu digitalisierenden „UniGR-Toolbox“ im UniGR-Kontext sowie eine Öffnung des Formats für weitere Hochschulen und Institutionen der Großregion wünschenswert. Die entwickelten Werkzeuge verstehen sich dabei nicht als abgeschlossene Produkte, sondern als offenes System, das lokal erprobt, regional weiterentwickelt und großregional diskutiert werden kann.
Abschließend verdeutlicht Dr. Enders Erfahrung den besonderen Mehrwert der UniGR-Gastprofessur:
"Die UniGR-Gastprofessur ermöglichte nicht nur die finanzielle Umsetzung des Projekts, sondern eröffnete vor allem einen konsequent grenzüberschreitenden Blick auf das Thema „Begegnung“. Ohne den institutionellen Rahmen der UniGR wäre weder die intensive Zusammenarbeit der beiden Hochschulstandorte noch die wiederkehrende Mobilität der Studierenden in dieser Form möglich gewesen. Die transnationale Struktur führte zur Zusammenführung unterschiedlicher thematischer, methodischer und kultureller Perspektiven. Für die Studierenden eröffnete sich dadurch ein erweiterter Horizont: Sie lernten nicht nur neue künstlerisch-forschende Methoden kennen, sondern erfuhren den Mehrwert eines euregionalen Hochschulverbundes ganz konkret – sowohl inhaltlich als auch im Hinblick auf mögliche Studienverläufe, Kooperationen und Mobilitätsprogramme."
Mehr Informationen zum Projekt: https://www.fatuk.de/atg/category/encounters/



