
Grenzüberschreitende Dimension der Klimawandelanpassung - am 5.11.2025 in Arlon Campus Environnement
Das 11. Forum der Großregion, das sich mit der grenzüberschreitenden Dimension der Klimawandelanpassung befasste, brachte im November 2025 in Arlon Fachleute, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Vertreterinnen und Vertreter öffentlicher Institutionen aus Belgien, Frankreich, Luxemburg und Deutschland zusammen. Die Diskussionen ermöglichten eine Bestandsaufnahme bestehender Praktiken sowie die Identifikation zentraler Herausforderungen vor dem Hintergrund zunehmender klimabedingter Risiken.
Drei zentrale Themenfelder strukturierten die Diskussionen:
- das Hochwasserrisikomanagement;
- die Sicherstellung der Wasserversorgung in Dürreperioden;
- die Prävention von Waldbränden.
Über die Vielfalt der behandelten Themen hinaus ergibt sich eine zentrale Erkenntnis: Klimatische Phänomene kennen keine administrativen Grenzen, während institutionelle Antworten weiterhin weitgehend fragmentiert bleiben.
Hochwasserrisikomanagement: hin zu einem integrierten Ansatz auf Ebene der Einzugsgebiete
Das Hochwasserrisikomanagement verdeutlicht in besonderer Weise die Herausforderungen der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. Die Einzugsgebiete von Maas und Mosel, die mehrere Länder durchqueren, erfordern eine enge Abstimmung zwischen den betroffenen Regionen. Zwar bestehen entsprechende Governance-Strukturen, insbesondere in Form internationaler Kommissionen, deren Wirksamkeit hängt jedoch maßgeblich von der Fähigkeit der Akteure ab, ihre Maßnahmen über nationale Rahmen hinaus zu koordinieren.

Die Diskussionen haben die zentrale Rolle der lokalen Behörden, insbesondere der Kommunen, hervorgehoben. Diese sind für die Umsetzung von Präventionsmaßnahmen, das Krisenmanagement sowie die Information der Bevölkerung verantwortlich. Gleichzeitig bleibt ihr Handlungsspielraum häufig von übergeordneten rechtlichen, finanziellen und organisatorischen Rahmenbedingungen abhängig.
Die Entwicklung einer Risikokultur stellt einen wesentlichen Ansatz dar. Die Risikowahrnehmung ist innerhalb der Bevölkerung ungleich ausgeprägt. Während einige Personen, insbesondere nach Erfahrungen mit Extremereignissen, sensibilisiert sind, bleibt ein erheblicher Teil der Bevölkerung unzureichend informiert oder vorbereitet. Dies schränkt die Wirksamkeit von Präventionsmaßnahmen ein.

Zur Stärkung dieser Risikokultur wurden verschiedene Instrumente vorgestellt, darunter pädagogische Maßnahmen, partizipative Formate und Simulationen. Dennoch bestehen weiterhin Defizite, insbesondere in Bezug auf die Sensibilisierung junger Zielgruppen. Der Aufbau einer nachhaltigen Risikokultur erfordert ein kontinuierliches und strukturiertes Vorgehen unter Einbindung aller relevanten Akteure.
Abschließend wurde die Bedeutung der Kombination technischer Maßnahmen mit naturbasierten Lösungen hervorgehoben. Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserrückhaltung und -versickerung, wie die Schaffung von Retentionsflächen oder die Renaturierung von Flächen, können zur Verringerung der Vulnerabilität beitragen. Diese Ansätze müssen jedoch in umfassende Strategien integriert werden, die Prävention, Krisenmanagement und Raumplanung verbinden.
Wasserversorgung: Sicherung der Ressource unter zunehmendem Druck
Die Sicherstellung der Wasserversorgung erfolgt vor dem Hintergrund zunehmender Dürreperioden und wachsender Belastung der verfügbaren Ressourcen. Die Diskussionen zeigten erhebliche Unterschiede zwischen den Regionen, insbesondere in Bezug auf geologische Gegebenheiten, bestehende Infrastrukturen und institutionelle Organisationen.
In einigen Gebieten ermöglichen bedeutende Grundwasservorkommen eine relativ stabile Versorgung. Andere Regionen sind hingegen aufgrund begrenzter oder empfindlicher Ressourcen besonders anfällig für längere Trockenperioden. Diese Unterschiede verdeutlichen die Notwendigkeit differenzierter, standortspezifischer Ansätze.

Drei zentrale Handlungsfelder wurden identifiziert:
- die Sicherung bestehender Ressourcen, insbesondere durch den Ausbau von Verbundsystemen, die Diversifizierung der Wasserressourcen sowie die Verbesserung der Speicherkapazitäten;
- die Reduzierung des Wasserverbrauchs durch Sensibilisierungsmaßnahmen, temporäre Einschränkungen in Krisenzeiten sowie Überlegungen zur Wasserpreisgestaltung;
- die Modernisierung der Infrastrukturen, insbesondere zur Verringerung von Wasserverlusten und zur Steigerung der Effizienz der Verteilnetze.
Die Wasserpreisgestaltung stellt ein sensibles Thema dar, das wirtschaftliche, soziale und ökologische Aspekte miteinander verbindet. Eine stärkere Berücksichtigung der Ressourcenknappheit wird diskutiert, erfordert jedoch politische Abwägungen und muss den Zugang zu Wasser für grundlegende Bedürfnisse gewährleisten.

Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Bereich der Wasserversorgung ist bereits vergleichsweise weit entwickelt, insbesondere im Infrastrukturbereich. Konkrete Beispiele gemeinsamer Nutzung von Kläranlagen oder Stauanlagen verdeutlichen das Potenzial gemeinsamer Lösungen. Dennoch bestehen weiterhin Verbesserungspotenziale, insbesondere hinsichtlich der operativen Umsetzung und der politischen Koordination.
Die Integration wasserwirtschaftlicher Aspekte in die Raumplanung stellt ebenfalls einen zentralen Ansatz dar. Die Begrenzung der Flächenversiegelung, die Förderung der Versickerung von Niederschlagswasser sowie die Berücksichtigung der Wasserverfügbarkeit in Planungsprozessen sind entscheidend für eine nachhaltige Entwicklung.
Waldbrandprävention: ein zunehmendes Risiko
Das Waldbrandrisiko nimmt in der Großregion infolge des Klimawandels zu, auch wenn es historisch begrenzt war. Steigende Temperaturen, längere Trockenperioden und trockene Böden erhöhen die Anfälligkeit der Ökosysteme.
Die Diskussionen haben gezeigt, dass die Mehrheit der Brände auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen ist, während klimatische Bedingungen deren Ausbreitung begünstigen. Vor diesem Hintergrund kommt der Prävention eine zentrale Bedeutung zu. Eine angepasste Waldbewirtschaftung, die die Vielfalt der Baumarten fördert und gesunde Böden erhält, kann wesentlich zur Risikominderung beitragen.

Die Bedeutung eines integrierten Ansatzes wurde hervorgehoben, der Forstwirtschaft, Wasserwirtschaft und Raumplanung miteinander verbindet. Eine widerstandsfähige Waldstruktur trägt dazu bei, Feuchtigkeit zu speichern und die Ausbreitung von Bränden zu begrenzen.
Auf operativer Ebene wird die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Krisenmanagement insgesamt als wirksam bewertet. Einsatzkräfte arbeiten insbesondere in Grenzregionen regelmäßig zusammen und tauschen bewährte Verfahren aus. Allerdings basiert diese Zusammenarbeit häufig auf lokalen Vereinbarungen oder informellen Netzwerken, was ihre Wirksamkeit bei großflächigen Ereignissen einschränken kann.

Zudem bestehen Herausforderungen im rechtlichen und administrativen Bereich, insbesondere bei der Mobilisierung von Ressourcen über nationale Grenzen hinweg. Unterschiede in Einsatzkonzepten, Sprachen und Organisationsstrukturen erschweren eine vollständige Koordination.
Darüber hinaus ist die Frage der verfügbaren Ressourcen von zentraler Bedeutung. Personelle und technische Kapazitäten sind begrenzt und unterscheiden sich zwischen den Regionen. Europäische Initiativen zur gemeinsamen Brandbekämpfung bieten vielversprechende Perspektiven, erfordern jedoch weitere Koordination.
Weiterentwicklung der Governance und integrierte Ansätze
Neben den themenspezifischen Ergebnissen wurden mehrere übergreifende Herausforderungen identifiziert:
- die Stärkung der Koordination zwischen den verschiedenen Governance-Ebenen. Während lokale Maßnahmen häufig wirksam sind, besteht weiterhin Verbesserungspotenzial bei ihrer Einbindung in regionale, nationale und europäische Strategien;
- die Harmonisierung von Instrumenten und Daten. Unterschiede in Informationssystemen, Analysemethoden und regulatorischen Rahmenbedingungen erschweren koordinierte Maßnahmen. Der Aufbau gemeinsamer Plattformen und Datenaustauschmechanismen stellt eine zentrale Perspektive dar;
- die Einbindung der Bevölkerung als wesentliche Voraussetzung für erfolgreiche Anpassungsstrategien. Neben der Sensibilisierung geht es darum, eine aktive Beteiligung zu fördern und die Resilienz der Gesellschaft insgesamt zu stärken.
Fazit
Die Klimawandelanpassung in der Großregion basiert auf einer gemeinsamen Feststellung: Die Risiken sind grenzüberschreitend, während die Antworten weiterhin weitgehend fragmentiert sind. Bestehende Initiativen zeigen eine klare Bereitschaft zur Zusammenarbeit, ihre Umsetzung bleibt jedoch je nach Bereich und Ebene unterschiedlich.
Vor dem Hintergrund zunehmender klimatischer Veränderungen ist eine Weiterentwicklung der Ansätze erforderlich. Diese umfasst eine stärkere grenzüberschreitende Governance, eine bessere Integration sektoraler Politiken sowie eine verstärkte Mobilisierung aller Akteure.
In diesem Kontext ist die Fähigkeit zur Antizipation, Koordination und gemeinsamen Umsetzung ein entscheidender Faktor zur Stärkung der Resilienz der Großregion.
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(Wissenschaftlicher Leiter, Lepur)
(Forscher, Lepur)
(Forscherin, Lepur)






