Wer sind die Grenzpendler? Wo arbeiten sie? Welchen Beitrag leisten sie zur Wirtschaft der Großregion? Ziel dieses Pilotprojektes ist es, den Forschungsstand des Grenzpendlerphänomens mit Hilfe von sechs grenzüberschreitenden Hochschul-Workshops zu dokumentieren.
Der Alltag von 200 000 Einwohnern der Großregion ist dadurch gekennzeichnet, dass sie in einem Land leben und in einem anderen arbeiten. Das Großherzogtum Luxemburg stellt den Hauptanziehungspunkt für die Grenzpendler der Großregion dar. 44% der dort beschäftigten Arbeitnehmer wohnten 2010 in Frankreich, Belgien und Deutschland. In Lothringen arbeiten 82 000 Arbeitnehmer im Ausland, hauptsächlich in Luxemburg und im Saarland.
Das Grenzpendlerphänomen beruht auf unterschiedlichen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Dynamiken in den einzelnen Regionen der Großregion und ist heute ein Grundpfeiler des grenzüberschreitenden Arbeitsmarktes. Die Grenzpendler stellen sowohl einen qualitativen als auch quantitativen Ausgleichsfaktor zwischen dem jeweiligen Arbeitskräftebedarf und der strukturell verschiedenen Arbeitskräftenachfrage (zum Beispiel nach unterschiedlichen Qualifikationsprofilen) in den verschiedenen Gebieten der Großregion dar. Als territorialer Dynamisierungsfaktor unterstützt das Grenzpendlerphänomen somit in einigen Regionen das Wachstum, während es in anderen die Auswirkungen der Krise abfedert und die Arbeitslosigkeit verringert.
Im Laufe der Jahre 2010 und 2011 finden sechs Workshops statt, die dem Austausch von Informationen, statistischen Daten und wissenschaftlichen Analysen dienen sollen. Sie stehen sowohl für die Mitglieder des Netzwerks als auch für Wissenschaftler, die über andere europäische Regionen arbeiten, offen. Jeder Workshop ist auf einen spezifischen Aspekt zentriert: 1) Methodologische Fragen, 2) theoretische Fragestellungen, 3) praktische Fragestellungen zur Mobilität sowie zu sprachlichen Aspekten, 4) sozioprofessionelle Repräsentationen, 5) Vergleich mit anderen Regionen, besonders dem Oberrhein (in Deutschland, Frankreich und der Schweiz) sowie der Schweizer-französischen Region um Genf und Annemasse, 6) weitere Aspekte des Grenzpendlerphänomens (z. B. Konsumausgaben im Arbeitsland, Grenzpendlerpaare).
Im Dezember 2011 wird eine Abschlusskonferenz Gelegenheit für einen Rückblick und eine Bilanz der Workshop-Reihe bieten.
Ein Sammelband wird die Ergebnisse der Workshops enthalten. Er wird das Grenzpendlerphänomen in der Großregion darstellen und es in den Kontext anderer Regionen stellen. Methodologische und theoretische Aspekte werden angesprochen werden, um dem wissenschaftlichen Anspruch des Projektes gerecht zu werden.
Der 2012 erscheinende Sammelband wird die Beiträge von 25 Geographen, Soziologen und Wirtschaftswissenschaftlern enthalten und den Forschungsstand zum Grenzpendlerphänomen in der Großregion, sowohl was die historische Entwicklung, die augenblickliche Ausprägung, die Rahmenbedingungen und die alltagsweltliche Praxis der Grenzgänger anbelangt, widerspiegeln.